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Credit Management 2026 - Vom Inkassodienstleister zur operativen Kreditplattform
06/01/2026

Credit Management 2026: Vom Inkassodienstleister zur operativen Kreditplattform

Von Daniel Bremann, CTO, Collectia Group

2026 wird nicht das Jahr sein, in dem KI im Credit Management eingeführt wird. Das ist bereits passiert.

Was 2026 hingegen deutlich wird: Die Branche muss KI als das behandeln, was sie inzwischen ist: Infrastruktur. Und Infrastruktur muss verlässlich, erklärbar und geregelt sein. Nicht nur innovativ.

Ich sehe gerade vier Entwicklungen, die gleichzeitig das Kreditmanagement grundlegend verändern werden. Und bei keiner geht es eigentlich um die Technologie selbst, sondern um das, was sie von uns verlangt, um es richtig zu machen.

KI rückt ins operative Zentrum

Über Jahre hinweg war KI vor allem in Pilotprojekten und in isolierten Anwendungsfällen zu finden. Nützlich, aber kontrollierbar. Das ändert sich gerade grundlegend. KI ist heute direkt in operative Abläufe eingebettet und trifft Entscheidungen mit realen Auswirkungen.

In der Praxis heißt das: Next-Best-Action-Logiken steuern Schuldner Reisen; Berater arbeiten mit KI-Co-Piloten zusammen, die während der Gespräche Echtzeit-Unterstützung bieten. Kommunikationstrigger sowie regulatorische Prüfungen laufen automatisch im Hintergrund.

Das schafft Effizienz. Gleichzeitig bedeutet es aber auch: KI-Entscheidungen betreffen täglich reale Menschen, in großem Maßstab. Wenn etwas schiefläuft, ist es kein fehlgeschlagener Test mehr. Es ist ein Prozessfehler.

Governance holt auf – ob man bereit ist oder nicht

Je zentraler KI wird, desto deutlicher zeigen sich die Grenzen klassischer Compliance-Modelle.

Statische Dokumentation und regelmäßige Überprüfungen reichen nicht aus für Systeme, die sich kontinuierlich weiterentwickeln. Bis 2026 wird die Erwartung klar sein: Modelle in Echtzeit überwachen, Entscheidungslogiken dokumentieren, Prüfpfade über den gesamten Kreditprozess hinweg aufrechterhalten. 

Nicht weil die Aufsichtsbehörden, obwohl sie dies zunehmend tun werden, sondern weil Kunden und Partner dies erwarten werden. 

Governance wird oft als Innovationsbremse verstanden. Ich sehe es genau umgekehrt. Governance ist die Voraussetzung dafür, KI mit Vertrauen und Kontrolle einzusetzen. Ohne sie ist jede neue Fähigkeit ein Risiko, das nur darauf wartet, zum Vorschein zu kommen. 

Grenzüberschreitendes Credit Management wird Standard

Credit Management wird zunehmend internationaler, und die Kunden verlieren die Geduld mit fragmentierten Strukturen.

Unternehmen mit Aktivitäten in mehreren EU- und nordischen Märkten fordern ein einheitliches Setup: einen Partner, einen Vertrag, ein Reporting-Modell. Fragmentierte Länder Lösungen stoßen an ihre Grenzen.

Hier zeigt sich schnell, ob Technologie wirklich standardisiert ist oder lediglich aus lokal angepassten Systemen besteht. Die Skalierung von KI über Ländergrenzen hinweg legt Schwächen bei Compliance, Sprachverarbeitung und Entscheidungs Konsistenz schonungslos offen.

Bei Collectia haben wir jahrelang daran gearbeitet. Es ist schwieriger, als es aussieht, und Unternehmen, die dies als Nebensache betrachten werden es schwer haben. 

Outsourcing beginnt früher im Kundenprozess

Es gibt noch eine weitere Entwicklung, die es zu beobachten gilt: Wo Outsourcing im Schuldnerprozess beginnt.

Früher begann es meist mit dem Inkasso, also der Arbeit in der späten Phase, die mit hohem Aufwand verbunden war. Heute verlagert es sich zunehmend nach vorne: Rechnungsbearbeitung, Buchführung, Mahnungen, Zahlungsvereinbarungen, Segmentierung.

Die Motivation ist weniger Kostensenkung als Kontrolle. Unternehmen wollen einheitliche Prozesse, saubere Daten und einheitliche Berichterstattung über Länder hinweg – von der Rechnungsstellung bis zur Lösung. Eine stückweise Übergabe führt zu Lücken. Eine Übergabe als einheitliches Ganzes schafft Vorteil. 

Das verändert grundlegend, was Unternehmen von Credit-Management-Partnern erwarten. Sie kaufen nicht nur Inkasso-Kapazitäten, sondern auch operative Konsistenz.

Was das für Finanzverantwortliche bedeutet

Für CFOs und Credit-Verantwortliche läuft es am Ende auf ziemlich konkrete Fragen hinaus: Kann ihr Kreditmanagement tatsächlich erklären, wie Entscheidungen getroffen werden, nicht nur in der Theorie, sondern auch, wenn jemand danach fragt? Kann es marktübergreifend skaliert werden, ohne für jedes Land eine Sonderlösung zu bauen? Kann es Fairness und Compliance in einer Weise demonstrieren, die sowohl Regulierungsbehörden als auch Kunden zufriedenstellt? 

Bis 2026 werden diese Fragen die Auswahl der Partner stärker beeinflussen als der Preis oder reine Erfolgsquoten.

Credit Management entwickelt sich zu einer operativen Disziplin. Die Partner, die dies verstanden und entsprechend darauf vorbereitet sind, werden die Ansprechpartner sein, mit denen es sich zu sprechen lohnt. 


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